Reise durch Raum und Zeit

Das Duo „Farangi“ setzt bei den Pfingstmusiktagen einen musikalischen Höhepunkt

Claire Antonini und Renaud Garcia-Fons
Claire Antonini und Renaud Garcia-Fons begeistern im Rokokosaal des Hohhauses mit einem zeitlosen Musikerlebnis. Foto: Erwin Fauß

31.05.2023 - Lauterbacher Anzeiger

Reise durch Raum und Zeit

Das Duo „Farangi“ setzt bei den Pfingstmusiktagen einen musikalischen Höhepunkt

Von Anka Hirsch und Erwin Fauß

LAUTERBACH. Die Liste der internationalen Musikgrößen auf den Bühnen der Lauterbacher Pfingstmusiktage ist lang. Das Duo „Farangi“ fügte im Rokokosaal einen weiteren musikalischen Höhepunkt hinzu. Auf höchstem instrumentalem Niveau begeistern die beiden Musiker das Publikum mit einem zeitlosen Musikerlebnis. „Farangi“ („der Reisende aus dem Westen“ auf Persisch,) das sind Claire Antonini (Theorbe) und Renaud Garcia-Fons (fünfsaitiger Kontrabass), zwei hochkarätige Vertreter ihres Fachs.

Garcia-Fons versprach zu Anfang eine Reise durch Raum und Zeit. Er träumt von einem Bass auf der Reise von Indien nach Andalusien über das nördliche und südliche Mittelmeer. Die aufgeführten Werke stammen alle von Garcia-Fons: jazzige Bearbeitungen von Stücken französischer und italienischer Komponisten und Lautenspielern des 17. Jahrhunderts und eigene Kompositionen, die inspiriert sind von Musik aus dieser Zeit, von orientalischen Modi und Rhythmen sowie literarischen, religiösen und philosophischen Texten.

Claire Antonini ist dem Bassisten seit vielen Jahre eine kongeniale Begleiterin auf diesem Weg.
„Farangi“ ist ihre erste Duo-Produktion. Die Miniaturen ihrer gemeinsamen CD verbinden sie im Konzert zu kleinen Suiten. In fließenden Übergängen werden Zeit und Raum durchschritten und der Rokokosaal füllt sich mit zeitloser Musik.
Garcia-Fons hat einmal geschrieben, dass er sich seinen Bass als ein singendes Gebet vorstellt.

Und so singt er an diesem Tag wunderschöne, eindringliche Melodien auf seinem Instrument. Er spielt es mit Virtuosität, zupft die komplexesten Rhythmen, schlägt die Saiten mit dem Bogen, sodass es klingt, als würde er mit einem Plektrum spielen. Seine Finger bewegen sich in atemberaubenden Tempi über die Saiten und sein Bogen produziert von einem Kontrabass bisher kaum gehörte Klänge. Ein Papier, eingeklemmt zwischen die Saiten, macht aus dem Bass ein Cajon und schon ist das Publikum auf einem klanglichen Ausflug in den Norden Afrikas.
Claire Antonini begleitet ihn mit traumwandlerischer Sicherheit auf der Theorbe, eine Barocklaute. Ihre improvisierten Anmerkungen klingen aufgrund des Charakters ihres Instruments nicht ganz so spektakulär, liefern aber ruhige Anmerkungen auf hohem musikalischen und technischen Niveau.
Neben den jeweiligen solistischen Vorträgen überzeugt das Duo sowohl bei seinen Unisono-Passagen als auch in der Rolle der Begleiter. Selbst bei den rasantesten Tempi verschmelzen beide Instrumente zu einer klanglichen Einheit. Übernimmt dann ein Instrument die Begleitung, ist in jedem Augenblick die musikalische Einheit hörbar.
Am Ende des Konzertes feierte das Publikum das Duo mit stehenden Ovationen.

Quelle: Lauterbacher Anzeiger, "Reise durch Raum und Zeit", 31.05.2023

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